Donnerstag, 21. September 2017

Berkeley #2

So langsam komme ich hier an, der Jetlag ist kaum noch da. Übrigens: schönes anderes Wort dafür ist Zeitzonenkater. Süß.

Gestern abend waren wir noch einkaufen, und mein lieber Herr Gesangsverein, was ist das hier teuer. Gefühlt noch teurer als Florida.
In solchen Momenten preise ich unsere deutsche Lebensmittelindustrie gepaart mit den entsprechenden Subventionen, die es erschwinglich machen, gesundes Essen zu kaufen.
Fertig gerupfter Salat in der Tüte bitte nur zu besonderen Anlässen, Grillfleisch für eine Person nicht unter 10$, ein großer Becher griechischer Joghurt 5$.
Man muss schon sehr genau suchen, um ein paar erschwingliche Lebensmittel zu finden. Das typische Gummi-Arabikum-Brot gibt's für 1,80$ pro Packung, Kartoffeln kriegt man für 0,99$/lbs, Banane, Melone, Avocado gehen auch.

Ach ja, was ist lbs? Das ist das amerikanische Pfund. 1 lbs = 26 oz (Unzen) = 0,45kg. Da spinnen die Amis ja wirklich, wenn es um Einheiten geht... ich hab mir die Fahrenheit --> Grad Celsius App schon runter geladen.

Mittags gehen wir hier in der Lab-Kantine, dem Bay View Café, essen. Und da wird's richtig saftig: meist zahlt man hier um die 9$ für sein Mittagessen. Zugegeben, deutsche Mensapreise, die auf Studis ausgerichtet und subventioniert sind, versauen einen da. Aber das geht mir dann schon schwer runter, zumal mein deutsches Gehalt nicht an Berkely-Lebenskosten angepasst ist.
Gestern gab es für mich einen Burrito von der Platillos Latinos Theke, heute habe ich ein abgefahrenes Sandwich von der North Bech Deli Theke probiert. Und auch wenn es teuer ist: es ist sehr lecker und absolut hochwertiges Essen, meist sogar organic (=bio).

Gestern Abend habe ich dann bei Livemucke und Craft Beer im "Jupiter" in Downtown den AirBnB-Kumpel vom Freund kennenglernt und wir haben bei Honey Wheat, Hefeweizen, Stout und Amber über Musik, das Leben, Politik und Reisen diskutiert.

Heute geht's zu Barney's zum Burgeressen und wir planen so langsam mal das WE. Ein französischer Kumpel, der mittlerweile in Helsinki wohnt, ist für eine Googlekonferenz hier in der Bay area und wir werden wohl am WE Dinge unternehmen... Point Reyes oder doch Monterey, Footballspiel und Oktoberfest in SF... so viele Entscheidungen zu treffen...
I keep you posted!

Mittwoch, 20. September 2017

Berkeley #01

Ab jetzt kommen ein paar Einträge zu meinem Berkeley-Aufenthalt, eine Art kleines Reisetagebuch also.

Fangen wir vorne an - mit der Anreise:
der Freund empfahl beim Buchen, einen Flug mit Umstieg in Europa zu buchen (DUS-SFO direkt gibt es glaube ich gar nicht), um zu vermeiden, dass man den Anschlussflug verpasst, falls die Einreise länger dauert.
Bei meinen 2 Reisen nach Florida wurden wir bei der Einreise - nach längerem Warten in der Schlange - mehrmals interviewt, warum wir hier sind, wieviel Bargeld, welche Jobs in Dland wir haben, was genau wir in den USA machen wollen, wie lange wir bleiben, wo wir untergebracht sind und und und.
Die Einreise am SFO dageegen: tiefenentspannt. "Wie lange bleiben Sie?" plus FIngerabdrücke scannen - und fertig. Hat alles in allem 3 Minuten gedauert, nachdem ich nur 10 Minuten in der Schlange stand. Warum? Keine Ahnung. Vielleicht hatte ich Glück mit einem entspannten Immigration Officer, vielleicht ist es auch die kalifornische Gelassenheit.

Nach dem obligatorischen Selfie vom Airport erstmal in die BART (Bay Area Rapid Transportation). Da hab ich dem Freund schon was voraus: Monsieur ist bis jetzt nur Mietwagen oder Uber gefahren. Für $9,50 kann man vom SFO bis nach Berkeley in 50 Minuten reisen. Uber wäre zur Hauptverkehrszeit mit verstopfter Bay Bridge (Brücke zwischen San Francisco und Oakland über die Bucht) auch nicht schneller und deutlich teurer gewesen. Und wie ich das so häufig sage: dann fühlt mich gleich wie ein "local", wenn man den ÖPNV nutzt. In SF ist die BART zwar unteriridisch, aber davor und danach kann man rumgucken. Der Zug ist schon bisschen abgeranzt und laut. Doch entgegen der Ankündigung des Freundes waren durchaus ganz normale Leute unterwegs und nicht nur Alkies & Junkies. Auf meine Uber-Kosten kam ich dann trotzdem: an der Haltestelle Berkeley Rockridge wurde ich netterweise mit einem Uber vom Freund abgeholt. Juchuuu!

Weil ich zu müde war (in der Nacht vor der Reise nicht geschlafen, um dem Jetlag vorzubeugen, und dann auf der Reise wenig gepennt, weil laut, unbequem, aufgeregt), blieb es beim Sonnenuntergang auf der Terasse bei Nudelsalat und IPA, was auch schon ziemlich genial war.

Just the #goldengatebridge - view from the terasse for the next 2 weeks

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Heute (Mittwoch) habe ich schon kurz den einen Mitbewohner des Freundes kennengelernt, bin Shuttlebus zum Lab gefahren, habe in der LBNL Cantine einen monsterscharfen Burrito zum Mittag gegessen und die Arbeitskollegen kennengelernt. Ich darf hier oben am Lab als Gast sein und kann von hier aus brav an meiner Doktorarbeit schreiben.

Ein bisschen Matsche bin ich noch vom Jetlag und der Reise. Und permanent herrscht Reizüberflutung, weil ich alles sehen, verstehen und erinnern will.

Mitbringsel für die Mitbewohner: Marzipan und Schoki aus Deutschland. Marzipan ist wohl sowas Europäisches. Kein Plan, ob die das mögen. Wenn man die GIlmore Girls fragt: nein. Wenn man mich fragt: Jaaaaa.

Montag, 14. August 2017

Nikeata Thompson sagt was krass Schlaues über Hautfarben

Ich fand Nikeata Thompson schon als Jurorin bei "Got to dance" (einzige TV-Sendung, die ich seit Langem und für lange Zeit gerne und aktiv geschaut habe) klasse: was für eine Energie und Lebensfreude diese Frau hat!
Jetzt hab ich mich gleich wieder in sie verbegeistert, und zwar beim Hören der "Hotel Matze"-Folge mit ihr. Unbedingt anhören! Wenn sie lacht, freu ich mich gleich mit.
Eine Passage möchte ich ganz explizit zitieren: sie spricht in der Podcastfolge auch über Rassismus und Diskrimierung und was ihr diesbezüglich so passiert ist. Und sagt bei diesem Thema etwas total Schlaues zum Thema Hautfarbe, was sie als Kind immer dachte:
"Hä? Warum sagen die 'farbig'? Die Weißen sind farbig für mich. Ihr werdet rot. Ihr könnt blau werden. Ihr werdet eine Kalkleiste, wenn euch schlecht ist. Wenn du dich stößt, dann wird das auch noch lila und gelb. Das ist total verrückt für mich. Wenn du in die Sonne gehst, wirst du braun. [...] Ihr könnt wirklich die Farbe ändern."
Die Welt mit Kinderaugen gesehen. So wahr.

Blöd genug ist leider, dass ich das überhaupt erwähnenswert finde. Es ist noch ein langer Weg, bis sowas nicht mehr Thema sein muss. Diskriminierung ist erst vorbei und besiegt, wenn solche Geschichten nicht mehr erzählt werden MÜSSEN aufgrund ihrer besonderen Botschaft. Weil es eben normal sein sollte, das wir alle genau so unterschiedlich und vielfältig sind, wie wir eben sind. Erst, wenn Herkunft, Religion, Hautfarbe, Geschlecht keine Rolle mehr spielen, haben wir es geschafft. Also immer weiter hoffen und diese Normalität selbst leben.

Dienstag, 27. Juni 2017

Finanzielle Unabhängigkeit

Bei Twitter bin ich auf einen sehr coolen Beitrag gestoßen: es geht um die finanzielle Unabhängigkeit von Frauen, insbesondere, wenn eine Ehe oder Beziehung auseinandergeht.

Das Interview bei Edition_F hat mich zum Blog Madame Monneypenny und der gleichnamigen Facebookgruppe geführt.
Ich bin zwar im Moment finanziell unabhängig und arbeite in einem Sektor, der mir das auch wahrscheinlich immer erlauben wird.
Doch schon alleine, um Freundinnen in meinem Umfeld zu helfen und diese tolle Initiative zu verbreiten, will ich das hier erwähnen. Und man weiss ja nie, ob das Thema mich nicht doch mal treffen wird... ich kann jetzt schon nicht so knorke mit Geld umgehen. Ich kann mir also sicher ein paar Tipps abholen.
Netzwerk, Baby!
Einzig die Tatsache, dass die Gruppe nur für Frauen zugänglich ist, finde ich problematisch. Mit immer mehr Männern, die Elternzeit nehmen und Frauen, die Karrieren machen, werden in Zukunft sicher auch ein paar Männer sich dieser Frage stellen müssen. Na gut, die können immerhin das Blog lesen und eine eigenen Gruppe aufmachen...

Tolle Initiative, liebe Natascha Wegelin!

Dienstag, 13. September 2016

#KleiderschrankMinimalismus - ich hab's getan

Ich habe es getan: alle Kleidungsstücke aus dem Schrank geholt, alles aufs Bett geschmissen und rigoros aussortiert. Ich habe jedes Teil in die Hand genommen und mich gefragt: "Wann hatte ich es das letzte Mal an? Trage ich es gerne? Passt es gut zu mir?"

Ergebnis: Die Hälfte ist rausgeflogen! Vor allem diese "kann-ich-nochmal-unter-einem-Pulli-ansziehen"-Shirts sind endlich mal rausgeflogen.
Das Aussortierte habe ich dann nochmal aufgeteilt:
ein Haufen wurde zu H&M gebracht. Da bekommt man für einen abgegebenen Altkleidersack einen 15%-Rabattgutschein. Einige sind der Meinung, dass das keine gute Idee ist. Ich sehe H&M durchaus auch kritisch. Das einzige, wofür ich den Gutschein verwende, sind Artikel aus der Concious-Kollektion. Und sowas wie Unterwäsche kaufe ich ebenfalls nicht gebraucht. Voilà.

Ein zweiter Haufen wird an ein Frauenhaus gespendet. Eine Freundin macht dort gerade ihr Praxissemester im Rahmen ihres Studiums und erzählte, dass in krassen Fällen Frauen mit nur den Klamotten, die sie am Körper tragen, ankommen. Spenden seien willkommen. Na dann ab dafür!

Denn wie ich im letzten Post angemerkt habe: es gibt zuviel Klamotten. Es lohnt sich kaum, Kleidung bei z.B. Kleiderkreisel einzustellen, da durch das Überangebot die Sachen gar nicht oder nur für 1€ weggehen und sich dann die Zeit, die man zum Einstellen investiert, nicht lohnt. Deswegen sind nur ein paar ganz wenige Teile auf dem Kleiderkreisel-Haufen gelandet. Die werden demnächst verkauft.


So sieht's aus.
Ich bin noch weit weg von einem wirklich minimalistischen Kleiderschrank. Fast jedes Kleidungsstückart habe ich noch mindestens 5 mal (also 5 Jacken, 5 Blusen, 5 Hosen, usw.). Aber des geht ja nicht darum, einen Wettbewerb zu gewinne ("ich hab aber noch weniger als du!"). Es ist deutlich weniger geworden. Und der Plan ist, die Dinge weiter aufzutragen und nichts neu zu kaufen. So komme ich dem Minimalismus langsam näher.

Freitag, 9. September 2016

Überfluss - anstrengend - towards minimalism?

Wir leben in einem irren Überfluss. Das ätzt mich manchmal echt an.
Aufgrund eines baldigen Umzugs sortiere ich mich gerade durch die gesamte Wohnung. Dabei fallen mir so viele Digne in die Hände, die ich echt nicht brauche oder seit Jahren nicht mehr in der Hand hatte.

Gerade bei Klamotten fällt es mir auf. Wieviel man doch gekauft hat, weil es im Angebot war, weil man es UNBEDINGT braucht, weil weil weil.

Ich kaufe bis auf Unterwäsche und Socken mittlerweile überwiegend gebrauchte Kleidung, und dann nur sehr kritisch und ausgewählt (juchuu, nachhaltig!). Und gerade da ist mir bewusst geworden, WIE irre der Überfluss ist. Auf Kleiderkreisel, einem Gebrauchtkleider-Portal, über 6 Millionen Damenbekleidungsartikel online. Und das sind nur die, die jemand aktiv über KK loswerden will. Da sind die Stapel aus dem Keller oder die Ebay-Nutzer ja noch nicht mal mit drin.

Ist das nicht total krank?

Und das führt dazu, dass es von allem viel zu viel gibt und die Preise total niedrig sind. Keiner will mehr über 5€ für eine Hose oder ein paar Schuhe ausgeben - irgendwer wird ein und denselben Kram schon für weniger anbieten. Total verrückt.

Mich fasziniert da als krasser Gegenpol dazu die Minimalismus-Bewegung.
Das muss unheimlich befreiend sein, sich von all dem Kram zu lösen.
Finde ich sehr erstrebenswert. Mach ich jetzt auch. Zumindest im Kleinen.

Mit diesen Leuten, von denen ich mal ein paar Youtube-Videos dazupacke, als Vorbild sortiere ich nun alles aus, denn es werden in den nächsten Jahren mindestens 2, womöglich mehr Umzüge anstehen. Ich werde wohl nicht den absoluten Minimalismus-Punkt erreichen. An vielen Dingen hängen Erinnerungen, und das, was viel benutzt wird, hat dann ja auch eine Daseinsberechtigung.


Montag, 5. September 2016

London #3: Tag 1.2

Nach einem Mittagsschläfchen wollten wir eigentlich am Evensong in der Westminster Abbey teilnehem. Jedoch haben wir die Fahrtzeit mit der circle line bis Westminster sowas von unterschätzt, dass wir total zu spät waren. Glücklicherweise fand am Samstag nochmal ein Evensong statt, sodass wir nicht ganz darauf verzichten mussten.

So haben wir dann einfach einen Spaziergang durch den St. James Park am Buckingham Palast vorbei durch den Green Park und hier ein kleines Päuschen gemacht.

Dann mussten wir auch schon in die Jubilee von der Green Park Station nach London Bridge nehmen, um pünktlich um 19:30, wie vorher für über 31€ online gebucht, die Aussicht von The Shard aus genießen zu können. Hier wurden wir allerdings enttäuscht: es war recht voll und irgendwie nicht so lovely wie erwartet.

Dort sind wir also ziemlich schnell wieder herunter gefahren und haben noch ein bisschen Londoner Abendstimmung am Themseufer genoßen, vorbei am Shakespeare's Globe und an urigen Pubs. Irgendwann sind wir rechts über die Millenium Bridge über die Themse geschlendert, haben dabei gebrannte Mandeln geknuspert (das ist wohl so ein Brückending in London) und den Ausblick auf die erleuchtete Stadt vor dunklem Himmel bewundert. Nach einer völlig übeteuerten, aber leckeren Pizza to go, die wir auf den Stufen vor St. Paul's Cathedral verputzt haben, sind wirzurück gefahren ins Hostel.

2 von uns sind wie tot ins Bett gefallen. Nicht ich. Wir anderen zwei haben noch ein Bierchen im Pub nebenan getrunken: Guinness und ein IPA. Dann haben wir noch einen kurzen Abstecher zum Gleis 9 3/4 im King's Cross und einen verwackelten Schnappschuss gemacht. Dann noch schnell angeschickert einen Burrito von der Burrito Corner gemampft und ab in die Koje.